Mazara del Vallo

Morgen ist es soweit, mein erster Tag als Einhandsegler mit der Mupfel

Als ich vor Jahren so meine ersten Versuche am Starnbergersee machte, hatte ich an solche Herausforderungen nicht einmal zu denken gewagt. Und nun stehe ich hier auf meinem Riesenkatamaran und morgen geht es nach Sciacca. Bei optimaler Windprognose und besten Bedingungen sollte das aber doch zu bewältigen sein.

Das Ablegen hier wird eine Herausforderung, da ich hinten über das Heck abdrehen muss, das heisst es drückt mich zwangsläufig gegen den Kai. Dabei ist es nicht einfach die Motoren zu bedienen und gleichzeitig die Heckleine auf Spannung zu halten bzw. dann im richtigen Moment zu lösen ohne das dabei das Heck eine dicke Schramme abbekommt. Nun Jits und Ellen werden mir Schützenhilfe leisten.
Es ist ein unglaubliches Glück, dass ich die beiden getroffen habe, wir passen wirklich sehr gut zusammen, sowohl was das Budget betrifft, als auch die Einstellung zum Segeln und in vielem auch unsere Vorstellungen vom Leben.

Es ist ein wirklich aufmerksames Begleiten und Ergänzen

Ellen hat mir heute ganz spontan die neue Abdeckung für den Scooter aus Segeltuch genäht und ich hätte sie wirklich küssen können. Ich liefere Internet, Email und Computersupport, manchmal auch eine wenig Kuchen und die beiden führen mich ohne viel Aufhebens ins Fahrtensegeln ein. Jedenfall hätte ich keine besseren Lehrer finden können, es passt einfach zu 100%.

Seit gestern bin ich nun auch stolzer Besitzer eines Scooters und die neue Freiheit ist einfach wunderbar. Endlich losziehen, Geschäfte suchen und schwere Taschen aufladen und problemlos heimfahren. Kein Stress mehr mit Vermietern, dem ewigen Feilschen um die Preise und Versicherungsbedingungen, es ist einfach herrlich. Vor allem der italienische Verkehr, alles wirkt chaotisch, aber jeder lässt den anderen und es geht darum sein Ziel zu erreichen. Die mir so verhasste Lehrerpose der Deutschen fehlt hier vollkommen, niemand lässt Dich an die Betonmauer krachen, nur weil er im Prinzip recht hat.

Manchmal ist es auch ein wenig zu lässig, so hatte ich heute ziemlich Ärger mit einem exhibitionistischen Tunesier, der sauer über unsere Zurückweisung nichts Besseres zu tun hatte, als seinen Schwanz zu zeigen und von Zeit zu Zeit in Richtung der Boote sein Geschäft zu verrichten. Als er dann noch versuchte meinen nagelneuen Scooter mit Bleichmittel zu beschädigen, war es Zeit die Carabiniere zu holen. Die nahmen den dann auch Bbav mit, aber 2 Stunden später war es wieder das gleiche Spiel. Mir ist dann der Kragen geplatzt, ich habe ihm seine Bierflasche über den Kopf geschüttet und ihn am Kragen weggeführt. Da er vollkommen auf Provokation aus war, hatte das dann doch seine Wirkung und wir können wohl damit rechnen, dass er keine weiteren Attentate mehr ausführen möchte.

Die Sizilianer haben sich mehrfach entschuldigt, sie haben mit den Tunesiern hier auch so ihre Probleme, immerhin leben allein im Mazara del Vallo fast zwölftausend. Wie immer sind es zudem meist halt nicht nur die Cleveren, die ihr Heil in Gastländern suchen. Meinen Scooter wollte auch schon jemand klauen, beim Verladen auf's Schiff musste ich feststellen, dass die vielen Warnungen wohl berechtigt waren. Auch hier hatten wir zwei Tunesier in Verdacht, die sich ständig in der Nähe aufhielten und dann ganz plötzlich verschwunden waren. Die neue Kette zeigte jedenfalls deutliche Spuren von Schneidewerkzeugen. Also noch mehr und stärkere Ketten, Jits macht's nicht unter drei und ich werde mich da wohl anpassen müssen.

Schöner sonniger Tag mit Wind bis 5, aber hier im Hafen spürt man davon nichts.
 
Datum:  29.05.2004 Diese Seite weiterempfehlen